Schulsilvester

Schulsilvester 2017 im Hohfuri - Mit Deckeln, Rasseln & Pfeifen in den Händen drängeln sich um 6 Uhr morgens früh die Hohfurikinder durch die engen Schulhaustüren hindurch. Ob Singsaal, Schulzimmer oder Turnhalle: Alle Zimmer sind thematisch dekoriert und bereit für den 2. Teil des Schulsilvesters. Die Kletterwand, die Geisterbahn, der Regenbogentunnel oder die Schneeflockenfabrik werden nun von allen 1.- 6. KlässlerInnen in Beschlag genommen. Im Fruchtspiessli-Zimmer rüsten Kinder, was sie sogleich verspeisen und im Kino werden Kurzfilme für Gross und Klein gezeigt. Wer möchte noch ein Talent zum Besten geben? -
Wie schnell doch die Zeit verrinnt und ... Guets Neus!

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Unser Schulleiter Urs Bräm schreibt über den Brauch des Schulsilvesters folgenden Artikel:

Der Schulsilvester ist im ganzen Kanton Zürich und einigen angrenzenden Gemeinden verbreitet. Dieser Brauch gehört ganz den Kindern und fand früher wie der eigentliche Silvester am 31. Dezember statt. Erst mit der Einführung der Weihnachtsferien im Kanton Zürich 1899 wurde der 31. Dezember schulfrei. Aus diesem Grund wird der Schulsilvester heute noch vor Weihnachten, am letzten Schultag gefeiert.

1775 wird der Schulsilvester erstmals beschrieben. Früh am Morgen trieben sich die Jugendlichen auf den Strassen herum, spielten Streiche und lärmten. Wer als Letzter aufstand oder in die Schule kam, wurde ausgelacht und «Silvester» genannt. Bereits damals hatten die Erwachsenen wenig Freude am Treiben der Kinder und der Pfarrer wollte den Brauch verbieten.

Noch vor 50 Jahren holten die Kinder an einigen Orten den «Silvester» aus dem Bett. Sie weckten die Schlafmütze mit einem Spruch oder mit «Silvester! Silvester!»-Rufen und zog ihm ein Nachthemd und eine Zipfelmütze an. Johlend führte die Gruppe den «Silvester» mit einem Leiterwagen durchs Dorf in die Schule. Natürlich wollte niemand der Letzte sein, darum begann der Schulsilvester oft schon um Mitternacht. Später wurde festgelegt, dass die Kinder und Jugendlichen erst ab 5 Uhr auf die Strasse durften.

Im Mittelpunkt stand das Lärmen. Wie bei vielen Winterbräuchen versuchte man in den langen, dunklen Nächten Geister und Dämonen zu vertreiben. Mit vielen selbst gemachten Instrumenten, Kuhglocken, Tierhörnern, Ratschen, Pfannendeckeln und Trillerpfeifen zogen die Kinder lärmend durch die Strassen.

Früher war der Schulsilvester aber auch ein Bettelbrauch. In einigen Gemeinden sangen Kindergruppen vor den Häusern und die Leute schenkten ihnen dafür Geld, Süssigkeiten oder Tee. Auch war es üblich, dass die Schülerinnen und Schüler auf ihren Lärmumzügen durchs Dorf vom Bäcker Brötchen und vom Metzger heisse Würstchen bekamen.

Später in der Schule mussten die Kinder die auswendig gelernten Neujahrssprüche vortragen. Der Lehrer las eine schöne Geschichte vor und schenkte den Kindern zum Jahresschluss ein Silvesterbüchlein. Als Gegengeschenk übergaben die Kinder dem Lehrer einen Neujahrsbatzen.

Heute wird am Schulsilvester vor allem Lärm gemacht und es werden Streiche gespielt. Mit Lärminstrumenten und Feuerwerk werden früh am Morgen die Leute geweckt. Als Streiche werden zum Beispiel Türfallen mit Zahnpaste oder Senf bestrichen, Gartentörchen ausgehängt oder Autos mit Toilettenpapier eingewickelt. Beliebt ist auch das «Glögglispiel»: Die Kinder läuten an den Türglocken und rennen dann davon. Wenn es hell wird, ist der Spuk vorbei und in der Schule wird mit Spielen, Essen oder besonderen Aktivitäten der Abschluss des Jahres gefeiert.

Sachbeschädigungen, Lärmklagen und Unfug mit Feuerwerk führten dazu, dass der Schulsilvester in den letzten Jahren an vielen Orten abgeschafft wurde – eigentlich schade.

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